
Der Alpenstrudelwurm (Crenobia alpina) gehört zu den Strudelwürmern (Turbellaria) und dort zur Familie der Planarien (Planariidae). Er wurde im Jahr 1766 vom italienischen Naturforscher Giovanni Pietro Maria Dana erstmals für die Wissenschaft beschrieben. Die Art besiedelt kalte Quellen, Höhlengewässer und das Grundwasser.
Der Alpenstrudelwurm gilt als Anzeiger für absolut sauberes Wasser und stellt hohe Ansprüche an die Wasserqualität. In Mitteleuropa gilt die Art als Eiszeitrelikt. In den Alpen lebt die Art noch freilebend in den Oberläufen der Bäche unter Steinen und zwischen Wasserpflanzen. Nördlich der Alpen hat sie sich überwiegend ins Grundwasser zurückgezogen, bewohnt aber regelmäßig die kalten Quellen der Mittelgebirge. Im Flachland wird sie nur selten gefunden. Als kaltstenotherme Art bevorzugt der Alpenstrudelwurm Temperaturen von bis zu 8 °C. Er ist kalkliebend und meidet saure Gewässer. In Höhlen und Bergwerksstollen wird er zumeist dann gefunden, wenn von dort eine Fließverbindung zur Erdoberfläche besteht.
Genau dieser Rückzugsraum schwindet. Wärmere Winter mit weniger Schnee und trockene Sommer, einhergehend mit einer längeren Vegetationsperiode, verringern die Grundwasserneubildung. Das Grundwasser erwärmt sich, die Quellschüttung geht zurück und immer mehr Quellen fallen ganz oder zeitweise trocken. Als kaltstenotherme Art verträgt der Strudelwurm dauerhaft warme Temperaturen nicht. Kalte, ganzjährig schüttende Quellen sind außerhalb des Grundwasserlebensraums für ihn daher lebenswichtig.
Weil sich die Art nur langsam ausbreitet, werden verlorene Vorkommen nicht wiederbesiedelt. Aus den Quellen und Quellbächen in Wales ist der Alpenstrudelwurm Anfang der 1990er Jahre nach einer Folge ungewöhnlich warmer Jahre mit zwei Sommerdürren verschwunden und bis heute nicht zurückgekehrt. Die Gefährdung durch den Klimawandel führte dazu, dass die Art zum "Höhlentier 2027" gewählt wurde. Sie steht für die vielen Tierarten, die in kalten Quellen und im Grundwasser ihren letzten Rückzugsraum haben.
Der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher e.V. will mit der Wahl des Höhlentieres darauf hinweisen, dass gerade bei der Erforschung der unterirdischen Ökosysteme und der darin vorkommenden Arten noch ein enormer Handlungsbedarf besteht.
Der Alpenstrudelwurm wird bis zu 18 mm lang. Er ist meist dunkelgrau oder schwarz, seltener braun gefärbt, die Bauchseite ist immer wesentlich heller. Höhlenpopulationen können auch durchaus heller gefärbt sein. Auf der Kopfoberseite sitzen zwei Augen. Der Abstand zwischen den Augen und dem Vorderende ist mindestens dreimal so lang wie der Augenabstand selbst. Vorne am Kopf trägt das Tier ein Paar seitlich abstehender, kurzer, breiter und ausstreckbarer Tentakel, wodurch der Kopf abgestutzt erscheint.
Eine geschlechtliche Fortpflanzung findet nur im Winter statt. Dabei werden die etwa 2 mm großen, kugeligen Kokons mit bis zu 50 Eiern frei abgelegt. Im Sommer pflanzen sich die Tiere durch Querteilung fort. Als Nahrung dienen vor allem kleine Gliedertiere wie Flohkrebse und aquatische Insektenlarven, die die lichtscheuen Würmer vorwiegend nachts erbeuten.
Im Freiland kann der Alpenstrudelwurm leicht mit dem Gehörnten Vielaugen-Strudelwurm (Polycelis felina) verwechselt werden. Mit der Lupe oder unter dem Binokular sind die beiden Arten allerdings sehr leicht an der Anzahl und der Stellung der Augen zu unterscheiden.
Der Alpenstrudelwurm ist über Europa und Nordasien weit verbreitet, kommt aber nicht auf der Iberischen Halbinsel vor.